Wer seid ihr?
Patric Sievert (Chief Commercial Officer): Wir sind die Smawo, ein derzeit fünfzehnköpfiges interdisziplinäres Team mit Expertise aus Photovoltaik, Energiewirtschaft, Informatik und Projektentwicklung, das Photovoltaik im Mehrfamilienhaus neu denkt.
Wer sind eure Kunden?
Unsere Kunden sind in erster Linie Wohnungsgenossenschaften. Sie stehen in besonderem Maße unter dem Druck, ihre Bestände bis 2045 klimaneutral zu betreiben und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Anders als rein gewinngetriebene Akteure geben Genossenschaften Einsparungen bewusst an ihre Mieter weiter, was Lösungen begünstigt, die maximalen wirtschaftlichen Nutzen auf Mieterseite ermöglichen und gleichzeitig langfristig tragfähig sind. Gleichzeitig fehlt es Wohnungsgenossenschaften bislang an einem praktikablen Photovoltaik- und Mieterstromkonzept, das ihnen die volle Hoheit über ihre Dachflächen lässt, ohne sie in komplexe energiewirtschaftliche Rollen oder bürokratische Abrechnungsmodelle zu zwingen.
Welches Problem, welche Herausforderung haben eure Kunden?
Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern gilt zwar als naheliegende Lösung, scheitert jedoch in der Umsetzung häufig an hoher regulatorischer und administrativer Komplexität. Klassische Mieterstrommodelle erfordern umfangreiche energierechtliche Rollen und aufwendige Abrechnungsprozesse. Selbst die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung führt in einem Pachtmodell nicht selten zu einem teilweisen Verlust der Kontrolle über die eigenen Dachflächen. Für viele Genossenschaften ist dies organisatorisch und wirtschaftlich kaum leistbar.
Gleichzeitig fehlt es an Konzepten, die Energieeinsparungen direkt und transparent den Mietern zugutekommen lassen, ohne zusätzliche Bürokratie oder langfristige Abhängigkeiten von externen Stromvermarktern zu schaffen. Damit bleibt ein erheblicher Teil der verfügbaren Dachflächen ungenutzt, obwohl der Handlungsdruck weiter steigt.
Start-up des Monats von pv magazine und Vireo Ventures

In Kooperation mit Vireo Ventures, einem Frühphasen-Investor für eine vollständig elektrifizierte Welt, präsentieren wir monatlich ein aufstrebendes Unternehmen, das an Innovationen für die Solarbranche arbeitet und das wir für interessant halten. Wir wollen aufzeigen, was die Visionen der Unternehmer sind, aber auch wo diese Start-ups heute stehen und wo es konkrete Möglichkeiten für Kooperationen gibt.
Wenn du Dein Unternehmen als Start-up des Monats präsentieren möchtest, fülle bitte den folgenden Fragebogen aus:
-> Zum Fragebogen
Du kannst uns auch per Email an pv magazine und Vireo kontaktieren:
-> Start-up-des-monats@vireo.vc
Wir freuen uns auch über für Rückmeldungen zu den vorgestellten Unternehmen, zu deren Fragen (siehe ganz unten) und zu unserer Auswahl an diese E-Mail-Adresse.
Hier finden Sie die bisherigen Start-up des Monats
Welche Lösungen gibt es dafür bisher auf dem Markt?
Am Markt existieren bereits verschiedene Mieterstrom- und Photovoltaik-Modelle für Mehrfamilienhäuser. Klassische Mieterstromkonzepte sehen vor, dass der auf dem Dach erzeugte Strom zentral produziert und an die Mieter verkauft wird. Diese Modelle sind jedoch mit hoher regulatorischer, abrechnungstechnischer und organisatorischer Komplexität verbunden und erfordern von Wohnungsunternehmen die Übernahme energiewirtschaftlicher Rollen oder die Einbindung externer Dienstleister.
Mit der jüngeren Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung ist ein weiterer Ansatz entstanden, der den administrativen Aufwand reduzieren soll. In der praktischen Umsetzung wird dieses Modell für Wohnungsgenossenschaften jedoch häufig nur über Dachverpachtungen an externe Betreiber realisiert. Dies führt in vielen Fällen zu begrenzten Erlösen und vor allem zu einem Verlust der Hoheit über die eigenen Dachflächen. Zudem hängen Einsparpotenziale für Mieter vom Drittanbieter beziehungsweise Stromvermarkter ab.
Welche Lösung bietet ihr euren Kunden an und gibt es bei euch ein Alleinstellungsmerkmal?
Smawo bietet Wohnungsgenossenschaften und Bestandshaltern eine vollständig operationalisierte Lösung, um Photovoltaik im Mehrfamilienhaus einfach, rechtssicher und wirtschaftlich umzusetzen. Unser Ansatz basiert auf dezentralen, wohnungsbezogenen Photovoltaik- beziehungsweise Stecker-Solaranlagen, die jeweils einer einzelnen Wohnung inklusive Batteriespeicher zugeordnet und direkt in das Mietrecht integriert werden. Dadurch werden klassische Mieterstrom- und Stromverkaufsmodelle vermieden. Photovoltaik wird damit zum festen Bestandteil der Mietsache, vergleichbar mit einer Einbauküche, und nicht zu einem energiewirtschaftlichen Sonderprojekt.
Der zentrale Nutzen für unsere Kunden liegt darin, dass sie vollumfänglich in der Rolle des Vermieters bleiben. Es entstehen keine energiewirtschaftlichen Pflichten, keine Stromlieferantenrolle, keine komplexen Abrechnungsmodelle und keine zusätzlichen regulatorischen Anforderungen. Wohnungsunternehmen und Genossenschaften können ihre Dächer nutzen, nachhaltigen Wohnraum anbieten und ihren Mietern spürbare Einsparungen ermöglichen, ohne Bürokratie, ohne operative Mehrbelastung und ohne den Aufbau neuer Organisationsstrukturen.
Das Alleinstellungsmerkmal von Smawo ergibt sich aus der Kombination dreier Faktoren. Wir sind First Mover mit einem neuartigen Konzept. Wir haben ein vollständiges Full-Service-Angebot und begleiten den gesamten Wertschöpfungsprozess aus einer Hand, von Konzeption und Planung über die Installation mit Partner-Installationsunternehmen bis hin zur Inbetriebnahme und rechtssicheren Integration in das Mietverhältnis. Außerdem sind unsere Anlagen durch die Stecker-Solar-Regelung (§ 8 Abs. 5a EEG) genehmigungsfrei. In vielen Fällen entfällt die Genehmigung beim Netzbetreiber. Dies reduziert Komplexität und verkürzt Projektlaufzeiten.
Wie muss man sich eure Installationen vorstellen?
Wir setzen keine Standard-Stecker-Solar-Geräte ein, die lediglich an der Fassade angebracht werden. Stattdessen planen und realisieren wir vollwertige Photovoltaikanlagen, in der Regel auf den Dachflächen der Gebäude. Das Grundprinzip unserer Lösung ist dabei eine dezentrale Versorgung auf Wohnungsebene.
Konkret bedeutet das: Jede Wohnung wird technisch so angebunden, dass der ihr zugeordnete Solarstrom direkt im jeweiligen Wohnungsstromkreis genutzt wird. Dies erfolgt über eine klare Zuordnung von Photovoltaik-Leistung, Wechselrichter und Energiemessung je Einheit. Hierbei entspricht die Leistung je Wohnungs-Photovoltaik lediglich regulatorisch der Stecker-Solar-Geräte-Regelung.
Wichtig ist hierbei: Es findet keine klassische Weiterleitung von Strom zwischen verschiedenen Wohnungen statt. Jede Einheit bleibt bilanziell getrennt und nutzt ausschließlich den ihr zugeordneten Stromanteil. Damit bewegen wir uns bewusst außerhalb eines Modells, bei dem Strom aktiv zwischen Letztverbrauchern verteilt wird.
Vor diesem Hintergrund entstehen auch keine Anforderungen an uns als Energieversorger oder Netzbetreiber, da wir keine gebäudeinterne Stromlieferung im klassischen Sinne durchführen.
Ergänzend setzen wir Speichersysteme ein. Diese sorgen dafür, dass der erzeugte Strom nicht nur im Moment der Erzeugung genutzt werden kann, sondern zeitlich entkoppelt zur Verfügung steht. Dadurch erhöhen wir den Eigenverbrauch innerhalb der jeweiligen Einheit erheblich, ohne dass eine Weiterverteilung zwischen Wohnungen erforderlich ist.
Das Konzept, bei dem Wohnungen per einzelnem Wechselrichter an Module einer größeren Dachanlage angeschlossen werden, vermeidet regulatorische Schwierigkeiten. Andererseits steigen die Installationskosten. Könnt ihr euch regulatorische Verbesserungen vorstellen, durch die euer Modell mit Standard-Dachanlagen umgesetzt werden kann?
Grundsätzlich ja und aus unserer Sicht liegt hier auch ein erhebliches Potenzial. Unser aktueller Ansatz mit wohnungsbezogener Zuordnung, einzelnen Wechselrichtern sowie Speicher je Einheit ist bewusst so gewählt, um die bestehende regulatorische Komplexität zu umgehen. Dadurch schaffen wir eine Lösung, die ohne Lieferantenrolle, Abrechnungskomplexität oder netzrechtliche Fragestellungen auskommt und für Eigentümer wie auch Bewohner einfach umsetzbar ist.
Uns ist jedoch bewusst, dass diese Struktur auf technischer Seite mit einem höheren Installationsaufwand verbunden ist, als es bei einer zentralen Dachanlage der Fall wäre.
Regulatorisch sinnvoll wäre aus unserer Sicht daher eine klare und vereinfachte Möglichkeit, lokal erzeugten Strom innerhalb eines Gebäudes gemeinschaftlich zu nutzen, ohne dass daraus automatisch die Rolle eines Energieversorgers entsteht.
Konkret sehen wir drei Ansatzpunkte: Erstens eine rechtssichere und unbürokratische Form des sogenannten „Gebäudestroms“, bei der Strom innerhalb eines Gebäudes gemeinschaftlich genutzt werden kann, ohne die vollen Anforderungen eines klassischen Mieterstrommodells erfüllen zu müssen. Zweitens eine deutliche Vereinfachung der Mess- und Abrechnungsanforderungen. Aktuell führen diese dazu, dass technisch einfache Lösungen wirtschaftlich unnötig komplex werden. Drittens eine klarere Abgrenzung zwischen Eigenverbrauch und Lieferung. In vielen Fällen ist die aktuelle Regulierung hier nicht mehr an die technischen Möglichkeiten moderner Energiesysteme angepasst.
Sollten sich diese Rahmenbedingungen weiterentwickeln, könnten auch zentralere Dachanlagen mit gemeinschaftlicher Nutzung deutlich einfacher und kosteneffizienter umgesetzt werden. Gleichzeitig zeigt unsere aktuelle Lösung, dass es bereits heute möglich ist, einen hohen Anteil lokal erzeugten Stroms wirtschaftlich nutzbar zu machen – auch unter den bestehenden regulatorischen Bedingungen.
Gibt es bereits Nachweise, dass die Lösung funktioniert, und Referenzen? Wenn ja, welche?
Ja, die Funktionsfähigkeit unseres Ansatzes konnten wir bereits in der Praxis nachweisen. Smawo hat bereits mehrere Mehrfamilienhäuser mit dezentralen Photovoltaik-Lösungen ausgestattet, unter anderem in Niedersachsen und Bayern. Die umgesetzten Projekte dienen als reale Anwendungsfälle, in denen sowohl die technische Umsetzung als auch die mietrechtliche Integration erfolgreich erprobt wurden.
Das Jahr 2025 diente für Smawo bewusst als Pre-Seed- und Pilotphase. In der ersten Jahreshälfte lag der Fokus auf der konzeptionellen Entwicklung des Geschäftsmodells, insbesondere auf der rechtlichen, technischen und operativen Ausgestaltung des dezentralen Ansatzes. Aufbauend darauf wurden erste Pilotprojekte umgesetzt, um das Modell unter realen Bedingungen zu testen und weiter zu schärfen.
Parallel dazu konnten wir erste strategische Partnerschaften schließen, insbesondere im Bereich Installation, Hardware, Vertrieb und Software. Diese Partnerschaften ermöglichen es uns, das Modell skalierbar auszurollen.
Inwiefern bringt diese Lösung die Energiewende voran?
Die Lösung von Smawo leistet einen Beitrag zur Energiewende auf zwei zentralen Ebenen: durch die Entlastung der Stromnetze und durch die Demokratisierung des Zugangs zu erneuerbarer Energie.
Ein wesentlicher Hebel liegt in der dezentralen Nutzung von Photovoltaik in Kombination mit wohnungsbezogenen Batterie-Pufferspeichern. Durch die lokale Speicherung und den unmittelbaren Verbrauch des erzeugten Solarstroms wird die Einspeisung in das Niederspannungsnetz deutlich reduziert.
Gleichzeitig trägt Smawo zur Demokratisierung der Energiewende bei. Während der Zugang zu Photovoltaik bislang überwiegend Eigentümern von Einfamilienhäusern vorbehalten ist, ermöglicht unser Ansatz auch Mietern im Mehrfamilienhaus, direkt von lokal erzeugtem Solarstrom zu profitieren. Die Energiewende wird so von einem exklusiven Eigentümermodell zu einem breitenwirksamen System, das soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz miteinander verbindet.
Wie seid ihr finanziert?
Die Finanzierung setzt sich aus Eigenkapital der Gründer, eingebracht über jeweils eigene Beteiligungsgesellschaften, privaten Darlehensgebern sowie Erlösen aus dem laufenden operativen Geschäft zusammen.
Insbesondere in der Pre-Seed- und Pilotphase konnten wir mit dieser Finanzierungsstruktur die Entwicklung des Geschäftsmodells, die Umsetzung erster Projekte und den Aufbau strategischer Partnerschaften aus eigener Kraft vorantreiben.
Für die Seedphase planen wir wachstumsbedingt die Aufnahme von zusätzlichem Kapital, um den Markt weiter zu durchdringen und operative Kapazitäten auszuweiten.
Habt ihr Fragen an die Leser von pv magazine?
- Wo sehen Sie aktuell die größten praktischen Hürden bei der Umsetzung von Photovoltaik im Mehrfamilienhaus, eher auf regulatorischer, technischer oder wirtschaftlicher Ebene?
- Wie bewerten Sie dezentrale, wohnungsbezogene Photovoltaik-Ansätze im Vergleich zu klassischen Mieterstrom- oder Dachverpachtungsmodellen?
- Wie würden Sie ein dezentrales, wohnungsbezogenes und mietrechtlich integriertes Photovoltaik-Modell im Mehrfamilienhaus wie wir es anbieten konzeptionell benennen?
Bitte schicken Sie Ihre Fragen und Anmerkungenan Start-up-des-monats@vireo.vc (pv magazine und Vireo). Wir leiten Sie an unsere Gesprächspartner weiter.
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