App und Gewinnspiel sind genug um Lasten zu flexibilisieren – pv magazine Deutschland


TransnetBW und Octopus Energy bieten seit zwei Monaten eine App an, die den Netzzustand in Baden-Württemberg anzeigt. Mit einem Gewinnspiel sollten die Nutzer angereizt werden ihre Lasten im Bedarfsfall netzdienlich zu verschieben. Die erste Bilanz nach zwei Monaten zeigt: Es braucht nicht viel.

Welchen Anreiz muss es geben, damit Verbraucher bei Netzengpässen ihre großen Lasten verschieben? Nicht mehr als ein Gewinnspiel, bei dem man vielleicht einen Kühlschrank bekommen könnte, fanden der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und der Stromanbieter Octopus Energy heraus.

Im November 2024 startete die „PowerLändle“-Kampagne von TransnetBW und Octopus Energy, seit rund zwei Jahren gibt es die App „StromGedacht“. Sie informiert die Menschen mit einer Farbskala über den Status im Stromnetz in Baden-Württemberg. Eine Push-Benachrichtigung weist die Verbraucher darauf hin, ihren Verbrauch an den Netzzustand anzupassen.

Grün bedeutet Normalbetrieb, ein anderer Grünton weist auf eine ausgesprochen hohe Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom im Netzgebiet hin. Rot zeigt eine Unterdeckung an. Dann reicht der Strom nicht aus, um alle Lasten zu bedienen. Ein Zustand, der in Deutschland nach Aussage von Transnet BW im Prinzip nie auftritt. Orange zeigt einen Netzengpass an. Dieser Zustand tritt schon öfter auf. Vor allem dann, wenn es zu einer hohen Windeinspeisung aus dem Norden kommt. Die Übertragungsnetzkapazitäten im Süden reichen nicht aus, um den Strom abzutransportieren.

Handy Stromgedacht APP

In so einem Fall erhalten die Nutzer eine Push-Benachrichtigung mit dem orangefarbenen Symbol und die Bitte, flexible Lasten zu verschieben. Die Haushalte sollten durch die Teilnahme an einem Gewinnspiel sowie Rückerstattung eines Teils der Stromrechnung angereizt werden, bei dem Programm mitzumachen. Wer mitmacht, sollte bei einem Netzengpass in der App mitteilen, ob der eigene Haushalt gerade in der Lage ist, Lasten zu verschieben oder nicht.

Im Januar prognostizierte die TransnetBW aufgrund hoher Windeinspeisung einen Netzengpass. Rund 13.000 Nutzer gaben bei den beiden Netzengpässen im Januar ihre Antwort ab. Octopus Energy wertete die Lastverschiebung anhand von Hochrechnungen der Verbrauchsdaten aus. Das Unternehmen schätzt, dass auf diesem Weg etwa 28,5 Megawattstunden flexibilisiert wurden.

„Gemeinsam mit Octopus Energy konnten wir nun zeigen, dass bereits eine geringe finanzielle Incentivierung pro Kilowattstunde ausreicht, um eine netzdienliche Verhaltensänderung zu bewirken“, sagt Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transnet BW.

Octopus Energy führte schon 2022 ein ähnliches System in Großbritannien ein. Kunden profitierten von einer Lastverschiebung bei Netzengpässen. Neben dem finanziellen Anreiz haben sich vorwiegend eine einfache und kundennahe Kommunikation sowie die richtige Vorlaufzeit als wichtigste Faktoren für eine hohe Teilnehmerquote herausgestellt.

Im ersten Jahr nahmen bereits zwei Millionen Menschen an dem Programm teil. Allein im ersten Winter, so teilt Octopus Energy mit, verschoben die Haushalte über zwei Gigawattstunden Strom – und das war für den Markt deutlich billiger als fossile Kraftwerke dafür einzusetzen. Das Modell wurde vom britischen „National Energy System Operator“ (NESO) unter dem Namen „Demand Flexibility Service“ als fester Bestandteil des britischen Strommarkts integriert. Alle Stromanbieter und Haushalte, die einen Smart Meter nutzen, können an diesem Markt teilnehmen. In Großbritannien seien das bereits zwei Drittel aller Haushalte.

„Der schleppende Smart-Meter-Rollout stellt für uns als Übertragungsnetzbetreiber eine große Hürde dar, die großen Potenziale an verfügbarer dezentraler Flexibilität netzdienlich zu heben“, sagt Götz. Dieses Beispiel zeige, wie wichtig der Smart-Meter-Rollout auch für Deutschland ist.

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