LEE NRW schlägt standortabhängige Photovoltaik-Vergütung vor – pv magazine Deutschland


Der Verband bilanziert den Zubau 2024 und moniert die weiterhin schwache Entwicklung bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Nordrhein-Westfalen. Im Gesamtvergleich komme das bevölkerungsreichste Bundesland dennoch auf Platz zwei – eine überoptimistische Selbsteinschätzung.

Der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) fordert die Regierung des Bundeslands auf, sich im Bundesrat für ein „standortgerechtes Vergütungsmodell“ einzusetzen, „wie es bei der Förderung der Windenergie in Deutschland seit vielen Jahren praktiziert wird“. Dies sei nötig, „um die höheren Sonneneinstrahlungswerte in Süddeutschland auszugleichen“. Der Verband verweist hierbei auf den sogenannten Korrekturfaktor für Windkraftanlagen an Binnenlandstandorten, der das in Küstenregionen deutlich höhere Windaufkommen kompensieren soll. Allerdings sind die standortbedingten Ertragsunterschiede hierbei ungleich größer als bei Photovoltaik-Anlagen. Hintergrund für den Vorschlag, der so oder ähnlich schon früher von verschiedenen Akteuren ins Gespräch gebracht wurde, ist die vom LEE NRW am Freitag vorgelegte Bilanz zum Photovoltaik-Zubau 2024.

Einer vorgenommenen Auswertung des Marktstammdatenregisters (mit Datenstand vom 3. Februar) zufolge wurden in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr 203.316 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2185 Megawatt in Betrieb genommen. Dies bewegt sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, für das der Verband einen Zubau von 2262 Megawatt angibt – den höchsten jemals in Nordrhein-Westfalen erreichten Wert. Wie bereits in der Bilanz für 2023 gebe es aber auch diesmal „einen bitteren Wermutstropfen“, nämlich die schwache Entwicklung bei den „leistungsstärkeren und damit von den Erzeugungskosten günstigeren Freiflächenanlagen“. Während bundesweit 37,6 Prozent der neu installierten Leistung auf Freiflächen entfalle, seien es in Nordrhein-Westfalen nur 7,6 Prozent gewesen. „Nur in den drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin gibt es noch niedrigere Quoten“, beklagt der LEE NRW und erinnert an das bundesweite Ziel, den Photovoltaik-Zubau zu 50 Prozent auf Freiflächen umzusetzen.

Freiflächen-Anteil bleibt hinter den Möglichkeiten zurück

„Mit dem extrem niedrigen Freiflächen-Solaranteil wird Nordrhein-Westfalen seinem eigenen Anspruch eines ,Energie- und Industrielandes‘ mit großem Energiebedarf nicht gerecht – zumal dieses große Bundesland neben seinen markanten Ballungsräumen an Rhein und Ruhr durchaus auch über große ländliche Räume verfügt“, beklagt Jan Dobertin, Leiter der Projektentwicklung bei Photovoltaik- und Windkraftprojektierer B&W Energy Projekt in Heiden. Das Land bleibe „mit einer so geringen Freiflächen-Quote weit hinter seinen Möglichkeiten und Potenzialen der Solarstromnutzung zurück.“

Zu den 7,6 Prozent klassischer Freiflächenanlagen kommen in Nordrhein-Westfalen noch 3,2 Prozent auf „sonstigen baulichen Anlagen“ im Sinne des EEG hinzu; dies sind beispielsweise Tage- oder Deponieflächen. Knapp 3,9 Prozent des Zubaus erfolgte mit steckerfertigen Photovoltaik-Anlage – ein Anteil, über dessen Höhe die Photovoltaik-Installateure im Land vermutlich wenig erfreut sind. Das Gros der Neuinstallationen, knapp 85,3 Prozent, stellen aber Dachanlagen.

Brandenburg und Berlin führen im relativen Ländervergleich

Zubau 2024, Ländervergleich, Einwohnerzahl
Der von Brandenburg angeführte Vergleich nach neu installierter Leistung pro Kopf der Bevölkerung fällt für Nordrhein-Westfalen weit schlechter aus.

Grafik: pv magazine

Insgesamt sei es aber „schön zu sehen, dass der Zuspruch für die Solarenergie anhält“, so LEE NRW-Geschäftsführer Maximilian Feldes zu den Jahreszahlen. Als Hauptgründe hierfür nennt der Verband in den weiterhin hohen Energiepreisen und dem unter Privatleuten, aber auch bei Industrie- und Gewerbebetrieben weit verbreiteten Wunsch nach mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung. In der Bilanz sieht der LEE NRW einen anhaltenden Photovoltaik-Aufschwung, im Vergleich der Bundesländer rangiere Nordrhein-Westfalen auf Rang zwei.

Das allerdings ist nur in Bezug auf die absoluten Zubauzahlen korrekt, bei denen Bayern mit 3997 Megawatt an 2024 neu installierter Photovoltaik-Leistung mit weitem Abstand führt. Nordrhein-Westfalen erreicht hier 2.185 Megawatt, Baden-Württemberg folgt knapp dahinter mit 2.180 Megawatt (diese Rangfolge kann sich aufgrund von Nachmeldungen und Korrekturen zum Marktstammdatenregister noch ändern). In Bezug auf die Einwohnerzahl führt allerdings Brandenburg den Ländervergleich mit 0,52 Kilowatt pro Kopf, Bayern belegt hier mit 0,3 Kilowatt den zweiten Platz und Mecklenburg-Vorpommern mit 0,28 Kilowatt den dritten Rang. Nordrhein-Westfalen hingegen kommt auf lediglich 0,12 Kilowatt und damit auf den letzten Platz unter den Flächenländern. Nur die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin weisen eine schlechtere Bilanz auf. Dafür liegen diese beim Zubau in Bezug zur Fläche vorn, Berlin erreicht hier mit 107 Kilowatt je Quadratmeter den ersten, Hamburg mit 73 Kilowatt den zweiten und Bremen mit 71 Kilowatt den dritten Platz. Nordrhein-Westfalen, das mit rund 530 Einwohner je Quadratkilometer die höchste Bevölkerungsdichte aller Flächenländer aufweist, kommt mit 64 Kilowatt pro Quadratkilometer auf Platz vier.

Zubau 2024, Ländervergleich, Fläche
Besser sieht es beim Vergleich in Bezug zur Landesfläche aus, bei dem Nordrhein-Westfalen nach den drei Stadtstaaten den vierten Platz belegt.

Grafik: pv magazine

Neben der standortabhängigen Vergütung fordert der LEE NRW von der Landesregierung noch weitere Maßnahmen, um den Photovoltaik-Zubau insbesondere auf Freiflächen anzukurbeln. „Kurzfristig helfen“ könne die Wiederaufnahme des zurzeit ausgesetzten Landesförderprogramms „progres.NRW“, das Anlagenplanern bis zu 20 Prozent der Investitionskosten beziehungsweise maximal 500.000 Euro gewährte. Zudem sei das Land „gut mit einem Leitfaden für Kommunen beraten, um eine Standardisierung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren zu erreichen“.

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