Seit Samstag herrscht Krieg im Iran. Die USA und Israel haben einen militärischen Großangriff gestartet, der Iran hat die Straße von Hormus gesperrt, und der Ölpreis ist innerhalb weniger Stunden um über 13 Prozent gestiegen – auf über 82 US-Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit Januar 2025. Analysten von Barclays und Goldman Sachs halten 100 US-Dollar oder mehr für möglich, sollte die Blockade andauern. Und in den Community-Foren der Heizölhändler liest man Sätze wie: „Sicherheitshalber mal 1.000 Liter bestellt. Man weiß ja nie.“
Was mich an dieser Situation am meisten beschäftigt, ist nicht der Ölpreis selbst. Es ist die Tatsache, dass Millionen deutscher Haushalte an einem Montagmorgen aufwachen und feststellen: Ihre Heizkosten hängen davon ab, ob ein Tanker durch eine Meerenge am Persischen Golf fahren kann. Über diese Meerenge laufen mehr als 20 Prozent des weltweiten Öltransports. Und ob dieser Tanker fährt oder nicht, entscheiden weder die Bundesregierung noch die Hausbesitzer. Es sind geopolitische Kräfte, auf die Endverbraucher keinen Einfluss haben, die den Takt angeben. Weder die Bundesregierung noch die deutsche Bevölkerung hätten die USA davon abhalten können, ihre Raketen loszuschicken.
Wer aber eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, eine Wärmepumpe im Keller und einen Speicher an der Wand, für den ändert sich an diesem Montag nichts. Der Sonnenpreis steigt nicht.
Die Rechnung, die jetzt auf dem Tisch liegt
Am Montag (2. März 2026) lag der Heizölpreis in Deutschland bei durchschnittlich 118,42 Euro pro 100 Liter. Im Vergleich zum Vortag ein Plus von 14,55 Prozent, wie das Portal „heizöl24.de“ zeigt.
Im Dezember 2025 lag der Preis noch bei etwa 88 Euro. Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500 Litern bedeutet das: Die jährlichen Heizkosten sind innerhalb weniger Wochen um mehrere Hundert Euro gestiegen. Und das ist möglicherweise erst der Anfang.
Die OPEC+ hat am Sonntag mit einer Produktionserhöhung von 206.000 Barrel pro Tag reagiert. Das entspricht weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage. Jorge Leon von Rystad Energy hat das richtig eingeordnet: Die Preise reagieren auf die Lage am Golf und den Status der Schifffahrtswege, nicht auf eine relativ kleine Produktionssteigerung. Sollte die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, fehlen dem Weltmarkt acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag.
Aber hier liegt das zentrale Paradoxon: Die gesamte Reservekapazität der OPEC befindet sich geografisch genau dort, wo der Konflikt tobt: am Persischen Golf in den Lieferstaaten Saudi-Arabien, Bahrain, Irak, Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Qatar. Selbst wenn einer der Staaten seine Förderung hochfahren wollte, kommt das Öl nicht aus der Region heraus, solange Hormus blockiert ist.
Was das für deutsche Hausbesitzer bedeutet
Die Auswirkungen treffen jeden, der mit Öl oder Gas heizt. Wer dagegen auf erneuerbare Wärme setzt, bleibt von den Preisschocks verschont. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wie unterschiedlich die aktuelle Krise zwei Eigenheimbesitzer trifft:
Heizkostenvergleich: Ölheizung vs. Wärmepumpe (Einfamilienhaus, 30.000 Kilowattstunden Wärmebedarf)
| Ölheizung | Wärmepumpe + Photovoltaik | |
| Energieverbrauch / Jahr | ca. 3.000 Liter Heizöl | ca. 10.000 kWh Strom |
| Kosten vor Iran-Krise (Jan. 2026) | ca. 2.700 Euro | ca. 2.200 Euro (mit WP-Tarif) |
| Kosten aktuell (2. März 2026) | ca. 3.350 Euro (+24 Prozent) | ca. 2.200 Euro (unverändert) |
| Kosten bei 100 $/Barrel Szenario | ca. 4.000+ Euro | ca. 2.200 Euro (unverändert) |
| Geopolitisches Preisrisiko | Hoch (fossile Importe) | Gering (heimischer Strom) |
Quellen: heizoel24.de; BWP; eigene Berechnungen auf Basis aktueller Marktdaten. Wärmepumpe mit JAZ 3,0 und Wärmepumpenstromtarif (ca. 22 ct/kWh).
Während die Heizkosten mit Öl innerhalb weniger Tage auf über hundert Euro gestiegen sind, bleibt die Wärmepumpe stabil. Wer zusätzlich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, erzeugt einen Teil des Stroms selbst und senkt die Kosten weiter ohne Angst vor geopolitischen Einflüssen. Denn Sonnenstrahlung wird nicht verschifft, nicht durch Meerengen transportiert und nicht an Börsen gehandelt.
Ein Muster, das sich wiederholt
Was wir gerade erleben, ist kein Einzelfall. Wir haben es 2022 beim russischen Angriff auf die Ukraine gesehen, als die Gaspreise explodierten und Millionen Haushalte plötzlich vor der Frage standen, ob sie sich das Heizen noch leisten können.
Wir haben es bei den Huthi-Angriffen im Roten Meer gesehen, als Handelsrouten unterbrochen wurden.
Und wir sehen es jetzt wieder beim Iran-Konflikt und der Sperrung der Straße von Hormus.
Jedes Mal dasselbe Bild: Steigende Energiepreise, Verunsicherung bei Verbrauchern, hektische politische Reaktionen. Und jedes Mal hätten dezentrale erneuerbare Energien den Schock abgefedert. Wer 2022 bereits eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher und Wärmepumpe hatte, hat die Gaskrise deutlich gelassener überstanden als seine Nachbarn mit Gasheizung. Und wer dieses System heute hat, schaut auch auf die Nachrichten aus dem Persischen Golf mit einem anderen Gefühl.
Aus meiner Sicht ist es höchste Zeit, dass wir die Diskussion über erneuerbare Energien aus der Klimaschutzecke herausholen. Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe sind nicht nur gut für das Klima. Sie sind Sicherheitspolitik. Jedes Dach mit einer Photovoltaik-Anlage, jeder Speicher im Keller, jede Wärmepumpe, die Umgebungswärme statt importiertem Öl nutzt, macht Deutschland ein Stück unabhängiger von geopolitischen Krisen.
Der Wärmepumpenmarkt zwischen Chance und Preisdruck
2025 war die Wärmepumpe mit 299.000 abgesetzten Geräten und einem Marktanteil von fast 48 Prozent erstmals Marktführerin im deutschen Heizungsmarkt. Der Gas-Brennwertkessel verlor 36 Prozent. Für 2026 rechnet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie mit rund 410.000 Wärmepumpen. Die Verbraucher haben längst verstanden, wohin die Reise geht.
Die steigenden Öl- und Gaspreise werden diese Nachfrage nach Wärmepumpen weiter befeuern.
Aber eine plötzlich steigende Nachfrage kann auch bei Wärmepumpen zu Engpässen und Preissteigerungen führen. Wir haben das 2022 erlebt, als die Preise für Luft-Wasser-Wärmepumpen um bis zu 40 Prozent anzogen und Lieferzeiten von bis zu 12 Monaten die Regel waren.
Die gute Nachricht: Die Branche ist heute besser aufgestellt als damals. Die Hersteller haben allein 2024 und 2025 über sieben Milliarden Euro in neue Werke und Serienfertigung investiert. Die Installationskapazitäten sind gewachsen, die Lieferzeiten deutlich kürzer. Aber: Wenn die Nachfrage durch die geopolitische Lage schlagartig anzieht, werden auch die Preise reagieren. Wer jetzt handelt, hat bessere Konditionen als jemand, der wartet, bis der Heizölpreis bei über 1,50 Euro pro Liter steht und alle gleichzeitig auf Wärmepumpe umrüsten will.
Was jetzt zu tun ist
Die Iran-Krise ist kein Argument für Panik. Aber sie ist ein Weckruf für die Politik und für jeden Eigenheimbesitzer, der gerade vor der Entscheidung steht, welche Heizung er in sein Haus einbauen soll.
Wer als Eigenheimbesitzer langfristig denkt, investiert jetzt in Unabhängigkeit. Eine Photovoltaik-Anlage, ein Speicher und eine Wärmepumpe machen unabhängig von Ölpreisschocks, steigenden CO₂-Abgaben und geopolitischen Krisen. Die Investition amortisiert sich in zehn bis zwölf Jahren. Das kann kein Tanker aus dem Persischen Golf bieten.
Und wenn die Politik es ernst meint mit der Energiesicherheit des Landes, muss der Umstieg auf erneuerbare Wärme erleichtern statt erschwert werden. Das bedeutet: Heizstrom für Wärmepumpen muss deutlich günstiger werden als fossile Brennstoffe. Die Förderung für den Heizungstausch muss verlässlich und ausreichend finanziert sein. Zumindest letzteres wurde im Gebäudemodernisierungsgesetz festgelegt.
Ein letzter Weckruf für die Erneuerbaren
Die Eskalation am Golf führt uns in Echtzeit vor Augen, was Energieabhängigkeit bedeutet. Wir haben uns abhängig gemacht von vermeintlich günstigem Gas und Öl. Nun tragen wir die Kosten, mit explodierenden Rechnungen. Öl und Gas werden zum Luxusgut. Gleichzeitig zeigt uns die Situation. Der eigentliche Ausweg ist eine dezentrale, erneuerbare Energieversorgung vom Dach des eigenen Hauses.
Wer heute eine Öl- oder Gasheizung kauft, bindet sich für 20 bis 30 Jahre an einen Brennstoff, dessen Preis von der Straße von Hormus, von Kriegen, Sanktionen und Börsenspekulanten abhängt. Wer stattdessen auf Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe setzt, macht sich unabhängig von all dem. Vielleicht ist dieser Moment, in dem der Ölpreis wieder einmal durch die Decke geht, genau ein Anstoß.
— Der Autor Lucas Flügel ist seit Januar 2023 Unternehmenssprecher von Enerix, der führenden Fachbetriebskette für Energie- und Wärmelösungen. Er verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Rolle ist er zentraler Ansprechpartner für Medien und Branchenakteure, ordnet energiepolitische Entwicklungen ein und positioniert das Unternehmen zu Smart-Energy-Home-Lösungen. Seit 2024 ist Flügel zudem Pressesprecher des Bundesverbands des Solarhandwerks (bdsh) und vertritt dort die Perspektive des Solarhandwerks in der öffentlichen Debatte. —
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