Qualität bei Photovoltaik-Anlagen bleibt zentrales Thema – pv magazine Deutschland


476 geprüfte Photovoltaik-Anlagen zeigen: Die handwerkliche Qualität ist überwiegend hoch – dennoch bestehen in Planung und Ausführung weiterhin erhebliche Mängel.

Im Rahmen unserer Gutanova-Studie 2025 haben wir als Netzwerk unabhängiger Sachverständiger und Elektromeister bundesweit 476 Photovoltaik-Dachanlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt untersucht. Ziel war es, die Ausführungsqualität typischer Dachanlagen objektiv zu bewerten, sicherheitsrelevante Aspekte zu erfassen und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Viele Fachbetriebe in Deutschland leisten qualitativ hochwertige Arbeit. Dennoch zeigen sich bei den geprüften Anlagen wiederkehrende Schwachstellen in Planung, Montage und Dokumentation. Die Veröffentlichung der Ergebnisse soll dazu beitragen, Ursachen frühzeitig zu erkennen, Qualitätsstandards zu stärken und praxisnahe Lösungen in die Anwendung zu bringen, damit Photovoltaik-Anlagen langfristig sicher, effizient und werterhaltend betrieben werden können.

Häufigste Mängel

Die Auswertung der überprüften Photovoltaik-Anlagen zeigt, dass sich bestimmte Fehlerbilder bundesweit wiederholen. Die zehn häufigsten Mängel traten in nahezu allen Regionen auf unabhängig von Anlagengröße, Baujahr oder ausführendem Unternehmen.

Sie betreffen sowohl die mechanische Ausführung auf dem Dach (beispielsweise Montage der Unterkonstruktion, Dachhaut, Befestigungssysteme) als auch die elektrische Installation (etwa Leitungsführung, Schutzmaßnahmen, Wechselrichteranbindung).

Im Folgenden werden diese häufigsten Mängel in einer Übersicht aufgeführt und anschließend detailliert beschrieben.

Rang Mangel Beschreibung / Typischer Befund Häufigkeit
1 Dachhaken nicht korrekt installiert oder zu tief gesetzt Häufigster Montagefehler – führt zu gebrochenen Ziegeln, Undichtigkeiten und Spannungen in der Dachkonstruktion. 72 %
2 Leitungsverlegung mangelhaft Lose oder ungeschützte DC-Leitungen, fehlender UV-Schutz, falsche Steckverbindungen. 67 %
3 Fehlender Potentialausgleich / fehlende Funktionserdung Potenzialausgleich fehlt oder SPD-Komponenten wurden nicht eingebaut. 55 %
4 Beschädigte oder unsachgemäß bearbeitete Dachziegel Ziegel unsachgemäß ausgeschnitten, Rissbildung, Wassereintritt, Kleintierbefall. 52 %
5 Unterkonstruktion nicht ausreichend ausgerichtet Unebenheiten und Verspannungen der Schienen → Spannungen in den Modulen. 43 %
6 Abweichung vom Montageplan / fehlende Dokumentation Befestigungspunkte, Drehmomente oder Windlastzonen nicht eingehalten, Unterlagen fehlen. 38 %
7 Beschädigte Unterspannbahn oder Dachabdichtung (Pappdocken) Durch Montage aufgerissene oder fehlende Abdichtung unterhalb der Dachhaut. 37 %
8 Planungsfehler, einschließlich unter- oder überdimensionierter Wechselrichter Falsche WR-Auslegung, fehlende Verschattungsanalyse, Ertragsverluste. 33 %
9 Installation entgegen Herstellerangaben Montagevorgaben der Hersteller (WR, Speicher, UK) nicht beachtet → Garantieverlust möglich. 30 %
10 Unzureichender Arbeitsschutz bei der Installation Fehlende Absturzsicherung, PSA oder unzulässige Einhängesysteme. 25 %

Analyse und Bewertung

Die häufigsten Mängel liegen im handwerklichen Detail. Besonders oft wurden falsch gesetzte Dachhaken, unzureichend befestigte Leitungen und fehlender oder fehlerhafter Potenzialausgleich/Funktionserdung festgestellt. Diese Punkte gefährden nicht nur die Lebensdauer der Anlage, sondern können im Schadensfall zu Streitigkeiten zwischen Betreiber, Installationsbetrieb und Versicherung führen.

Auffällig ist, dass viele Fehler aus mangelnder Planung, Zeitdruck oder fehlender Dokumentation entstehen. Werden Montagevorgaben oder technische Unterlagen nicht konsequent umgesetzt, entstehen Schwachstellen, die später kostspielige Nacharbeiten erfordern.

Positiv: Die Qualität der elektrischen Sicherheit hat sich im Vergleich zu den Vorjahren leicht verbessert. Dies zeigt, dass kontinuierliche Aufklärung und Schulung Wirkung zeigen. Die Berufsgenossenschaften haben ihr Schulungsportfolio deutlich ausgebaut; Hersteller bieten regelmäßig (teils wöchentlich) kostenfreie Webinare an – Angebote, die von Fachbetrieben auch in Anspruch genommen werden.

Fazit

Die Gutanova-Studie 2025 macht deutlich, dass Qualität nicht allein durch Kontrolle entsteht, sondern vor allem durch Wissen, Aufklärung und gelebte Verantwortung in Planung, Ausführung und Dokumentation. Jedes Gutanova-Gutachten verfolgt das Ziel, technische Zusammenhänge verständlich zu erläutern, typische Fehlerbilder frühzeitig erkennbar zu machen und praxistaugliche Lösungen aufzuzeigen, die den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb von Photovoltaikanlagen langfristig unterstützen.

Wer frühzeitig einen neutralen Sachverständigen einbindet, vermeidet unnötige Konflikte, reduziert Nacharbeiten und sichert die Betriebssicherheit der Anlage über den gesamten Lebenszyklus. Davon profitieren Betreiber, Fachbetriebe, Versicherer und Rechtsvertreter gleichermaßen, da technische Fragen zügig, transparent und nachvollziehbar geklärt werden können. Ergänzend trägt eine vollständige und geordnete Anlagendokumentation dazu bei, Gewährleistungsfragen eindeutig zu beantworten und Wartung sowie spätere Erweiterungen effizient umzusetzen.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir in einem eigenen Beitrag nochmal auf die Top 10-Mängel im Detail eingehen und Lösungswege präsentieren.

— Der Autor Pascal Dörr ist Gründer von Gutanova. Als ehemaliger Projektleiter hat er bundesweit über 1000 Photovoltaik-Anlagen begleitet – von der Planung bis zur Inbetriebnahme. Später arbeitete er in der Qualitätskontrolle, koordinierte Subunternehmer, schulte Monteure und überwachte interne Handwerkerteams. In Eskalationsfällen werden Fälle in enger Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung systematisch aufgearbeitet – oft mit lückenhafter Dokumentation, aber stets mit dem Ziel der vollständigen Instandsetzung. Mehr Informationen & Selbstcheck unter: www.gutanova.de

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