Schon 2012 hatte Katherina Reiche (CDU) als verantwortliche Staatssekretärin unter Minister Peter AltÂmaier (CDU) eine EEG-Reform zu verantworten, die hohe volkswirtschaftliche Schäden verÂursachte. Der jährliche Ausbau der Photovoltaik wurde dadurch drastisch von etwa sieben Gigawatt auf unter zwei Gigawatt gedrosselt.
Damit wurde der damals weltweit führenden deutschen Solarindustrie der Heimatmarkt entzogen, mit dramatischen volkswirtschaftlichen Schäden: über 100 000 Jobs in der SolarÂbranÂche wurden vernichtet. Einst global führenden deutschen Photovoltaik-Produzenten gingen in Konkurs. Öffentliche Kassen verloren erhebliche Steuereinahmen: unter anderem Unternehmenssteuern, kommunale Gewerbesteuern, Einkommenssteuer. Die Produktion von heimischer SolarÂtechnik wurde fast völlig beendet und China übernahm fast komplett die solare IndustrieÂproÂduktion. Europa, einst Technologieführer, hält heute weniger als drei Prozent der globalen ProdukÂtionsÂÂanteile in der Solarindustrie und Deutschland kauft Photovoltaik-Produkte aus China zu, statt mit eigener Wertschöpfung hier zu produzieren.
Reiche hat die hohen Energiekosten der Energiekrise 2021 bis 2023 mitzuverantworten
Die volkswirtschaftlichen Schäden durch diesen staatlich verordneten Einbruch in der Solarbranche sind enorm. Weitere EEG-Novellen unter dem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) resultierten in einem dramatischen Einbruch auch beim Ausbau von Windkraft und Biogas, insbesondere wegen der Umstellung auf Ausschreibungen.
Wäre der Ausbau der Solar- und Windenergie mit den zuvor erreichten WachstumsgeschwindigÂkeiten 2012 bis 2020 fortgeführt worden, zusammen mit einem Ausbau von flexiblen BiogasanÂlagen und SpeiÂchern, hätte Deutschland eine sichere ganzjährige Stromversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren erreicht.
Stattdessen setzte die Bundesregierung auf Erdgas, was die Strompreise massiv ansteigen ließ, da der russische Aggressionskrieg in der Ukraine die Erdgaspreise nach oben trieb. In den Jahren 2021 bis 2023 haben Privatpersonen und Unternehmen insgesamt etwa 150 Milliarden Euro mehr für ihre Stromrechnungen bezahlt. Ein volkswirtschaftlich immenser Schaden, den es so mit 100 Prozent Ökostrom nicht gegeben hätte.
Diese drastische Schadensbilanz hat die Kommunalberatung Ansvar in einer Studie ermittelt.
Es ist schon bemerkenswert, dass bisher keines der Wirtschaftsinstitute diese offenÂsichtÂlichen volkwirtschaftlichen Schäden genauer unter die Lupe genommen hat.
Ministerin Reiche bereitet offensichtlich einen noch größeren Schaden vor.
Seit ihrem Amtsantritt im letzten Jahr als Bundeswirtschaftsministerin kündigt sie immer neue Maßnahmen an, die den Ausbau der erneuerbaren Energien erneut massiv unter Druck setzen.
So hat sich das Wachstum der Photovoltaik-Installationen, das unter ihrem Vorgänger Habeck stark zunahm, schon deutlich verlangsamt. Erste Photovoltaik-Unternehmen sind in Konkurs, viele Solarinstallateure haben kaum mehr neue Aufträge und müssen Arbeitsplätze abbauen.
Missachtung EWI-Gutachten
2010 erstellte das Energiewirtschaftliche Institut in Köln (EWI) eine Analyse für die BundesÂregierung, die die Grundlage für die kommende Energiepolitik sein sollte. Das EWI machte darin fundamentale Fehleinschätzungen über die Ausbaumöglichkeiten und Notwendigkeiten der erneuerbaren Energien. So prognostizierte das EWI einen Photovoltaik-Zubau von monatlich etwa 33 Megawatt für das Jahr 2025. Tatsächlich wurden 2025 aber im Mittel monatlich 1353 Megawatt  – also 41 Mal soviel !! – an neuer Photovoltaik-Anlagenleistung zugebaut. Eine Fehleinschätzung, die an der KompeÂtenz des EWI höchste Zweifel aufkommen lässt. Die Bundesregierung übernahm aber unter den Ministern Altmaier (CDU), Philipp Rösler (FDP) und der zuständigen Staatsekretärin die EWI-Ausbauzielvorstellungen weitgehend und regulierte den Photovoltaik-Markt so massiv runter, dass er drastisch einbrach und die Solarindustrie in Deutschland verschwand.
Es wäre zu erwarten gewesen, dass das EWI, das 2010 seine Inkompetenz in Sachen erneuerÂbare Energien mit der erwähnten Fahlprognose schon überdeutlich aufzeigte, keine RegieÂrungsÂaufträge mehr bekommen sollte. Doch Ministerin Reiche hat – wohl in der Hoffnung wieder ähnliche Fehleinschätzungen vom EWI zu bekommen – diesem erneut den Auftrag für eine Energieanalyse gegeben. Doch das EWI erfüllte diesmal ihre Erwartungen nicht und legte notwendige Ausbauzahlen für die kommenden Jahre vor, die deutlich über dem aktuelÂlen Zubau liegen. Kein Wunder, denn das EWI erkannte sehr wohl die Notwendigkeit, die StromÂproduktion deutlich auszuweiten – angesichts der absehbaren und für KlimaneuÂtralität erforderlichen Umstellungen auf E-Mobilität, Wärmpumpen und zu elektrifizierende IndusÂtrieprozesse – und wollte sich wohl nicht nochmal blamieren.
Ministerin Reiche ignorierte die im EWI-Gutachten festgestellte diese AusbaunotwendigÂkeit weitgehend und bekräftigte das Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren bremsen zu wollen.
Offensichtlich ist sie von der Logik der klimaschädlichen Erdgas- und übrigen fossilen EnerÂgiewirtschaft so eingeÂfangen, dass sie alles tun will, um deren Geschäftsinteressen zu wahÂren. Zwischen Ihrer Tätigkeit als Staatssekretärin und dem Ministeramt war sie ja in der fosÂsilen Energiebranche tätig, insbesondere bei Töchtern des Konzerne Eon, der mit seinem CEO Birnbaum mehrfach und klar eine Ausbaubremse für Erneuerbare fordert.
Reiches Politik wird den Vorsprung Chinas in der industriellen Entwicklung beschleunigen und Deutschland wie die EU in den industriellen Niedergang bringen.Â
China, Indien, Afrika, sowie große Teile Südostasien und Südamerikas sind auf einem stark beschleunigten Wege des Ausbaus der erneuerbare Energien und weiterer KlimaschutzÂtechÂnologien. Die Technologien dazu – Photovoltaik-Anlagen, Windräder, Speicher, Elektroautos, Digitalisierung – liefert fast ausschließlich China. Europas Exportwirtschaft ist bereits abgehängt. Diese ExportÂÂmärkte kann die EU mit Sicherheit mit dem rückwärtsgewandten Bestreben eines Aus des EU-Verbrennerverbots oder einer Renaissance der Atomenergie (CSU) und einem gleichÂzeitigen weiteren Niedergang des Ausbaus der erneuerbare Energien nicht bedienen.
Der volkswirtschaftliche Schaden in Deutschland und der EU, der durch den drohenden VerÂlust dieser Weltexportmärkte droht, wird weitaus größer sein, als der Schaden den StaatseÂkreÂtärin Reiche mit der EEG-Novelle 2012 schon einmal mitverursachte und welcher mit 150 Milliarden Euro überhöhten Energiekosten alleine in Deutschland schon sehr hoch war.
Geboten ist jetzt eine politische Offensive der Erneuerbaren-Branche und weiterer Industriezweige, anstatt sich in „Klein-Klein-Debatten“ zu verfehlten Vorschlägen aus dem Reiche Ministerium verlieren.
Es ist klar: ein EEG, das sich zum lähmenden Bürokratiemonster entwickelt hat, mit hemÂmenÂden Grundprinzipien, wie den Ausschreibungen statt einer gesetzlich festen EinspeiseÂverÂgüÂtung sowie mit einer staatlich finanzierten EEG-Umlage, die alle EEG-Reformen in die ErlaubÂnishände der EU-Kommission und der nationalen Finanzminister legt, kann keine DynaÂmik erzeugen, wie sie geo- und klimapolitisch notwendig wäre.
Die Schwäche liegt auch in der Branche der erneuerbare Energien selbst. Statt fundamentale Gesetzesänderungen einzufordern, verliert sie sich in marginalen Klein-Klein-Debatten. Statt selbstbewusst ihre Stimme als Vertretung einer Branche mit über 500 000 Jobs – also einer der größten Wirtschaftsbereiche Deutschlands – laut zu erheben, überlässt sie fast hilflos die öffentliche Debatte den Attacken der fossilen Industrieverbände, wie DIHK, BDI, VDMA oder den Vertretern der fossilen Lobby wie RWE, Eon, Erdgas-, Erdöl- und Kohlewirtschaft. Diese Schwäche, grundlegende und fundamentale Reformen in den seit 2 Jahrzehnten immer weiÂter verschlechterten gesetzlichen Rahmenbedingungen des Erneuerbaren-Ausbaus einzufordern, ist seit Jahren einer der Gründe, für den Niedergang dieser Branche und den Verlust der IndustrieÂfühÂrerschaft nach China.
Ängstlich starrt die Erneuerbare-Branche auf die Vorschläge des WirtÂschaftsÂÂminisÂteriums für die EEG-Novelle 2026. Sie wartet auf die Vorschläge, obwohl sie nach den AnkünÂdigungen von Ministerin Reich genau weiß, dass nichts Gutes zu erwarten ist. Wie bei den EEG-Novellen 2012 oder 2017 läuft die Branche mit der Strategie Gefahr, nur noch Marginalien korrigieren zu können, aber massive Einbrüche hinnehmen zu müssen.
Die Branche der erneuerbaren Energien ist offensichtlich nicht in der Lage, die öffentliche Debatte herumzudrehen, obwohl doch die geopolitische Lage mit den fossil finanzierten Kriegen und die dramatische ansteigende Schadensentwicklung durch die dynamisch steigende Erdtemperatur einen schnellen Ausbau der Erneuerbare erfordert. Die Intervention der US-Regierung unter Donald Trump im erdölreichen Venezuela spricht für sich.
— Der Autor Hans-Josef Fell ist Präsident der Energy Watch Group. Er war 1998-2013 MdB für Bündnis/Die Grünen und ist Mit-Autor des Entwurfs des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2000. —
Die Blogbeiträge und Kommentare auf www.pv-magazine.de geben nicht zwangsläufig die Meinung und Haltung der Redaktion und der pv magazine group wieder. Unsere Webseite ist eine offene Plattform für den Austausch der Industrie und Politik. Wenn Sie auch in eigenen Beiträgen Kommentare einreichen wollen, schreiben Sie bitte an redaktion@pv-magazine.com.
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.







