In den Gängen der fünf Messehallen in Essen drängten sich etwa 33.000 Besucher an den drei Tagen. Die Themen waren dabei vielfältig, ihnen gemein war, es ging um die zukünftige Energieversorgung. Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und die Ausrichtung der neuen EU-Kommission ist nicht ganz klar, wo die Reise hingeht. Doch einige Themen sind gesetzt und sie reichen von mehr Flexibilität etwa durch Batteriespeicher über Stromabnahmeverträge für gesicherte Preise bis hin zum Smart-Meter-Rollout, der nun wirklich auch in Deutschland kommen könnte.
Als die E-World am Dienstag in der Messe Essen ihre Pforten öffnete, war das Gedränge groß und kaum ein Durchkommen. Die Veranstalter verzeichneten einen neuen Rekord von 980 Ausstellern aus 34 Ländern, die sich über fünf Hallen verteilten. Auch die Besucherzahl konnte sich sehen lassen. Am Ende zählte die Messe Essen rund 33.000 Fachbesucher, die sich an den drei Tagen über alle möglichen Themen zur zukünftigen Energieversorgung informierten – sei es über smarte Netzinfrastrukturen, neue Batterie- oder Wasserstofftechnologien bis hin zu deren Vermarktung und digitalen Geschäftsmodellen.
In vielen Gesprächen auf der Messe war eine gewisse Unsicherheit zu spüren. Dies betrifft zum einen den Ausgang der Bundestagswahlen am kommenden Wochenende. Welche farbliche Konstellation die neue Bundesregierung haben wird, wagt kaum jemand zu prognostizieren – auch nicht, wie es dann genau mit der Energiepolitik weitergeht. Zum anderen gehen die Blicke nach Brüssel. Zwar ist mittlerweile eine neue EU-Kommission im Amt, doch deren Arbeitsprogramm lässt noch auf sich warten und wird wohl Ende Februar veröffentlicht.
Als relativ sicher gilt eine Abkehr vom „Green Deal“, doch wie stark, ist ungewiss. Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie soll anstelle des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit stärker in den Fokus rücken und damit werden Strompreise und die Ausgestaltung der Energiesysteme wohl beherrschende Themen der nächsten Jahre werden. Dabei treiben auch europaweit steigende Gaspreise einigen Teilnehmern die Sorgenfalten aufs Gesicht, zumal die Gasspeicher wegen des vielerorts doch kalten, windarmen Winters nicht so gut gefüllt sind wie noch Jahresfrist. Und der Winter ist noch längst nicht vorbei.
PPAs für große und kleine Unternehmen
Ein Weg, sich Strom zu gesicherten und auch attraktiven Preisen zu sichern, sind Stromabnahmeverträge, kurz auch PPAs genannt. Eine Schwierigkeit bislang ist jedoch, dass Sie eine gewisse Bonität und Größe der Abnehmer voraussetzen. Gerade die Nachfrage nach Corporate PPAs ist dabei hoch, wie immer wieder von verschiedenen Seiten zu hören ist. Statkraft berichtet auf der E-World, dass es im vergangenen Jahr Grünstrom-PPAs mit einem Gesamtvolumen von rund 12,5 Terawattstunden geschlossen habe – eine Verdopplung gegenüber 2023. Die Kunden seien namhaft, darunter Deutsche Bahn, Telekom, Novelis und Schaeffler. Insgesamt belaufe sich das Volumen an aktuellen PPA-Verträgen auf 60 Terawattstunden, wobei die Kunden vorrangig aus Photovoltaik-Kraftwerken oder Windparks beliefert würden.
Doch auch kleine und mittelständische Unternehmen zeigen durchaus Interesse am Abschluss solcher Vereinbarungen. Sie haben es auf dem Markt aktuell jedoch schwer, da sie für die Finanzierung der Photovoltaik- oder Windkraftprojekte von den Banken oft als nicht ausreichend bankable eingestuft werden. An dieser Stelle wird seit kurzem Node Energy aktiv. Der Energiedienstleister ist bekannt für seine Softwarelösungen und hat nun seine Plattform weiterentwickelt, um direkte Stromlieferverträge zwischen Mittelständlern und Betreibern von Wind- und Solarparks zu ermöglichen. Seit Jahresanfang bietet es diesen Service an und hat nach eigenen Angaben bereits Corporate PPAs mit einem Volumen von mehr als 100 Gigawattstunden abgewickelt. „Die gelieferte Menge entspricht dem Jahresverbrauch von rund 30.000 Haushalten und stammt aus 108 deutschen Windkraft- und Solaranlagen“, erklärt Matthias Karger, Gründer und CEO von Node Energy. Der passende Strommix aus Windkraft und Photovoltaik wird dabei separat für jedes Unternehmen ermittelt. Da bei den von Node Energy vermittelten Corporate PPAs die Unternehmen den Strom direkt von den Anlagenbetreibern kauften, entfielen auch sonst übliche Zwischenhändler, was sich positiv auf den Preis auswirke. „Die Wirtschaftlichkeit von direkten PPAs aus erneuerbaren Energien ist keine bloße Theorie. In Zeiten von hohen Energiekosten ist das eine sehr gute Nachricht für mittelständische Unternehmen. Dabei ist die Umsetzung von direkten PPAs heute so einfach wie die Beschaffung über klassische Energieversorger“, sagt Karger.
In eine ähnliche Richtung denkt auch das Start-up Otark. Es hat eine Plattform programmiert, in der Angebote von Anlagenbetreibern veröffentlicht werden. Unternehmen können dann gezielt Anfragen. Die Veröffentlichung der Angebote und Suchanfragen sei kostenlos, sagt Ortwin Kartmann, Mitgründer und COO des Start-ups. Otark verdient dann, wenn PPAs geschlossen werden. Es erhalte eine Gebühr bei Vertragsabschluss. Für die weitere Entwicklung gehe es ihm um die Weiterentwicklung des Matchmakings und auch eine größere Standardisierung bei den Vertragsabschlüssen. Aktuell würden diese noch separat zwischen Anbieter und Abnehmer verhandelt, was oft viel Zeit koste.
Smart Meter vor dem Rollout
Die E-World ist dafür bekannt, dass neben den großen, etablierten Energiekonzernen eben auch viele kleine Start-ups ihre Geschäftsideen präsentieren. Während bei den in Essen vertretenen Photovoltaik-Unternehmen eher Zurückhaltung zu spüren war, denn gerade mit Blick auf private Dachanlagen ist die Marktlage weiter schwierig und für Gewerbeprojekte warten viele auf die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission des „Solarpaket 1“ und Investitionsentscheidungen verzögerten sich daher. Dabei ist die Gesetzgebung schon weiter. Das Solarspitzen-Gesetz ist kürzlich noch vom Bundesrat verabschiedet worden und am Freitag auch im Bundesrat.
Neben den Änderungen, die künftig Solarspitzen im Netz vermeiden sollen, ist dort auch eine Anhebung der Preisgrenze beim Einbau von Smart Metern festgeschrieben. Nicht mehr nur 30, sondern 100 Euro sollen für den Pflichteinbau verlangt werden können. Dies gibt gerade den wettbewerblichen Messstellenbetreibern Zuversicht, die auch auf der E-World vertreten waren. So berichtet Aurelius Wosylus, COO von Neugemacht, über seine Lösungen, die auf die Vorgaben des Solarspitzen-Gesetz abzielen, aber auch für die Umsetzung von Mieterstrom-Modellen hilfreich sind. Neugemacht ist ein Joint Venture der Enel-Tochter Gridspertise (51 Prozent) und Cuculus (49 Prozent), das seit 2023 auch auf dem deutschen Markt aktiv ist. Bei den Prognosen, ob der Smart-Meter-Rollout durch das neue Gesetz nun endlich schnellen vonstatten geht, bleibt Wosylus zurückhaltend. Der Rollout könne bis 2032 in Deutschland gelingen, sagt er. Vieles hänge von den Verteilnetzbetreibern ab, doch mit den im Solarspitzen-Gesetz vorgesehenen Pönalen könnten auch sie sich künftig schneller bewegen.
Ein anderer wettbewerblicher Messstellenbetreiber, der auf der E-World zu finden ist, ist Inexogy. Das Unternehmen verkündete jüngst eine Kooperation mit E3/DC. Dessen neue Photovoltaik-Heimspeicher sollen künftig an alle Kunden direkt mit einem Smart Meter von Inexogy ausgeliefert werden. Das Unternehmen arbeitet zudem bereits mit Anbietern dynamischer Stromtarife zusammen, wie Rabot Energy. Dabei seien mittlerweile rund 100.000 digitale Messsysteme im Feld.
Doch Inexogy will noch mehr. Es habe jüngst seine digitale Bestellstrecke aktiviert. Dort könnten auch kleine Installateure für ihre Kunden einen Smart Meter bestellen. Die Preise für Pflichteinbaufälle – also Photovoltaik-Anlagen ab sieben Kilowatt Leistung – sollen dabei bei 30 Euro bleiben, also künftig deutlich unter der Obergrenze liegen. Die Installationszeit betrage dabei etwa acht bis zehn Wochen, so verspricht es Inexogy.
Großspeicher auf dem Vormarsch
Ein weiteres großes Thema der Messetage in Essen waren natürlich auch die Speicher, also gerade die Großspeicher. Die Netzanschlussfragen haben eine Dimension erreicht, die für viele Netzbetreiber nur schwerlich zu bewältigen sind. 226 Gigawatt an Netzanschlussbegehren liegen allein den vier Verteilnetzbetreibern vor und weit mehr als 100 Gigawatt sind es bei den Verteilnetzbetreibern. Das war der Stand zum Jahreswechsel, Tendenz weiter wachsend.
Sicher ist, nicht alle diese Projekte werden kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auch die Frage ist, wie schnell Projekte umgesetzt werden und ihre Finanzierung sichergestellt werden kann. Für letzteres ist immer wieder von Tolling-Verträgen zu hören. Diese würden eine gewisse Grundvergütung für die Speicherbetreiber sicherstellen und nur ein Teil bliebe dem Marktrisiko ausgesetzt. Dies gilt insbesondere für Stand-alone-Projekte.
Einige Unternehmen setzen hingegen bewusst auf Co-Location-Projekte. Angesichts der vielen negativen Stunden an der Strombörse und sinkenden Marktwerten für sie ein lohnendes Investment, um die Rentabilität ihrer Photovoltaik-Kraftwerke sicherzustellen. Zumal die Batteriespeicherpreise fallen, wie man von verschiedenen Seiten hört. Dabei sind die Photovoltaik-Kraftwerke teilweise schon errichtet und sollen mit Speichern nachgerüstet werden. Bei anderen Projekten wird von Anfang an so geplant, was dann hilft, doppelten Aufwand etwa bei Baugenehmigungen oder Netzanschlüssen zu sparen.
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