Smart-Meter-Initiative mahnt Netzbetreiber wegen „Mondpreisen“ ab – pv magazine Deutschland


Die vier Mitgliedsunternehmen haben Preise für den Einbau ausgewertet und beklagen, dass viele Netzbetreiber die geltenden Obergrenzen ignorieren. Rabot Energy und Tibber haben die Netzbetreiber LEW und Bayernwerk wegen Forderungen von mehr als 800 Euro für einen Smart-Meter-Einbau abgemahnt. Octopus bietet seine Dienste in Sachen Smart Meter nun auch anderen Unternehmen, etwa Photovoltaik-Installateuren, an.

Die Smart-Meter-Initiative (SMI) hat eine Übersicht der Preise erstellt, die von den sogenannten grundzuständigen Messstellenbetreibern – in der Regel sind dies die jeweiligen Verteilnetzbetreiber einer Region – für den Smart-Meter-Einbau erhoben werden. Die in der SMI zusammengeschlossenen Stromanbieter Ostrom, Rabot Energy, Octopus Energy und Tibber kritisieren „unangemessen hohe Kosten“. Die gesetzlichen Vorgaben würden „von zahlreichen Messstellenbetreibern ignoriert, die oft Mondpreise von über 600 Euro in Rechnung stellen.“

Gemäß dem am 31. Januar im Rahmen des Solarspitzen-Gesetzes https://www.pv-magazine.de/2025/01/31/solarspitzen-gesetz-vom-bundestag-angenommen/ novellierten Messstellenbetriebsgesetz halte der Gesetzgeber bis zu 100 Euro für einen vom Kunden gewünschten Einbau eines Smart Meter sowie 30 Euro jährlich für dessen Betrieb für angemessen, so die SMI. Die novellierte Fassung tritt voraussichtlich im März in Kraft, eine frühere, ab dem 1. Januar 2025 geltende Fassung definiert 30 Euro als Obergrenze für den Smart-Meter-Einbau.

Die Erhebung der zurzeit geforderten Preise habe indes auch gegenüber den Anforderungen des Solarspitzen-Gesetzes Überschreitungen um ein Vielfaches ergeben. Tibber habe deshalb die zum Eon-Konzern gehörende Bayernwerk Netz GmbH abgemahnt, Rabot Energy die ebenfalls zu Eon gehörende LEW Verteilnetz GmbH. Bayernwerk, den Angaben zufolge für etwa sechs Prozent der deutschen Haushalte zuständig, habe bis zu 888,89 Euro für einen Smart-Mater-Einbau verlangt. Bei LEW Verteilnetz seien es in einem Fall 825,53 Euro gewesen.

Viele grundzuständige Messstellenbetreiber hätten „bewusst unverhältnismäßig hohe Preise für den Einbau eines Smart Meter auf Kundenwunsch aufgerufen und damit den Rollout absichtlich ausgebremst“, so Merlin Lauenburg, Deutschlandchef von Tibber. „Diese überzogenen Preise verhindern den Zugang zu smarten und dynamischen Stromtarifen und stehen im Widerspruch zum Ziel einer bezahlbaren, digitalen Energiewende“, kritisiert Jan Rabe, Mitbegründer von Rabot Energy.

Die von der SMI erstellte Preisübersicht zeige überdies, „dass die stark überhöhten Preise ein Massenphänomen sind“. Beim größten deutschen Verteilnetz- und Messstellenbetreiber Westnetz, ebenfalls zu Eon gehörig und zuständig für rund zehn Prozent aller Haushalte, seien Forderungen bis zu 973,59 Euro pro Einbau erfasst worden. Bei der Mitteldeutschen Netzgesellschaft – mehrheitlich im Besitz von Eon – wurden 883 Euro verlangt. Insgesamt wisse die SMI „von mindestens 13 Angeboten, die in der Spitze über 500 Euro liegen“.

Von 35 Unternehmen, die in der SMI-Übersicht geführt werden, wurde bei elf der zurzeit geltende Betrag von 30 Euro für einen Smart-Meter-Einbau erfasst, bei zwei weiteren konnte kein Resultat ermittelt werden. Die übrigen 22 tauchen in der Übersicht mit teilweise deutlich überhöhten Preisen auf.

Octopus bietet Service für andere Unternehmen an

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der SMI kündigte Octopus Energy an, sein eigenes Smart-Meter-Geschäft für Partner zu öffnen. Das Tochterunternehmen Octopus Energy Metering, ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber, bietet demnach „seine Dienste als Full-Service-Partner an und übernimmt den gesamten Prozess – von der Hardwarebeschaffung über die Finanzierung und Installation bis hin zum Betrieb“. Das Angebot richte sich an Installationsbetriebe, die „verpflichtende Smart Meter als Komplettlösung aus einer Hand anbieten wollen – etwa für Photovoltaik, Wärmepumpen oder Wallboxen“. Die Offerte sei außerdem an Energieversorger gerichtet, „die Smart Meter für intelligente oder dynamische Tarife bereitstellen möchten“ sowie auch für „grundzuständige Messstellenbetreiber, die Octopus Energy als Whitelabel-Partner für ihren Messstellenbetrieb der Smart Meter nutzen können.“

Die Konditionen sollen die Preise, wie bei den eigenen, so auch für die Kunden der Partnerunternehmen „so gering wie möglich halten“. Man berechne deshalb auch hier keine Anschaffungs- oder Installationskosten und garantiere, „die jährlichen Betriebskosten 10 Euro unter der gesetzlichen Preisobergrenze pro Smart Meter zu halten“. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 7000 Kilowattstunden erhalte beispielsweise den Smart Meter kostenlos und zahle dann anstelle der gesetzlich festgelegten Obergrenze von 40 Euro nur 30 Euro jährlich für den Betrieb.

Für Installationsbetriebe und Energieversorger sei der Grundbetrieb kostenlos, für grundzuständige Messstellenbetreiber biete Octopus „individuelle Konditionen“.

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